Erdöl und Erdgas

Erdöl

Wissenswertes über Erdöl

Wissenswertes über Erdöl
Deutschland deckte im Jahr 2019 rund 2 % seines Erdölbedarfs aus heimischer Produktion.
Wissenswertes über Erdöl
Das im Wattenmeer gelegene Erdölfeld Mittelplate/Dieksand umfasste im Jahr 2019 mit ca. 17,5 Mio. t mehr als die Hälfte der förderbaren deutschen Erdölreserven.
Wissenswertes über Erdöl
Erdöl entsteht aus Ablagerungen großer Mengen von Plankton.
Wissenswertes über Erdöl
Durchschnittlich lagern Erdölfelder in einer Tiefe von rund 1,5 km. Durch den technischen Fortschritt ist es heute möglich, auch Erdölfelder in 5.000 m Tiefe und darunter zu erschließen.
Wissenswertes über Erdöl
Seit Beginn der Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland wurden insgesamt mehr als 22.000 Bohrungen durchgeführt.
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Geschichte

Seit über 150 Jahren wird Erdöl in Deutschland industriell gefördert. Die erste erfolgreiche Bohrung 1858/59 in Wietze bei Celle gilt als eine der ersten der Welt. Der Höhepunkt der Erdölförderung in Deutschland wurde 1968 mit einer Jahresproduktion von rund 8 Mio. t erreicht. Die sicheren und wahrscheinlichen deutschen Erdölreserven werden zum 1. Januar 2020 auf rund 28 Mio. t geschätzt. Der größte Teil der Erdölreserven lagert im Norddeutschen Becken, vorrangig in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Ende des Jahres 2019 standen 51 Ölfelder in Produktion.

Wirtschaftliche Bedeutung

Mit einem Anteil von rund 35% am Primärenergieverbrauch ist Erdöl der mit Abstand wichtigste Energieträger in Deutschland, wobei die fossilen Energieträger mit einem Anteil von 78% im Allgemeinen stark gegenüber den erneuerbaren Energieträgern überwiegen. Im Jahr 2019 betrug die aktuelle heimische Erdölförderung rund 2% des deutschen Jahresverbrauchs. Dieser stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4%. Als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist Deutschland somit fast vollständig auf den Import von Erdöl und Erdölprodukten angewiesen. Die Rohölimporte stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 86 Mio.t. Sie stammten aus über 29 Ländern im Wert von insgesamt 36,8 Mrd. Euro,1 wobei 55% des importierten Rohöls allein auf Russland (27,1 Mio. t) Großbritannien (10,2 Mio.t) und Norwegen (9,7 Mio. t) entfiel. In Deutschland wurden im Jahr 2019 etwas weniger als 2 Mio. t Erdöl gefördert. Der Anteil an der weltweiten Erdölfördermenge betrug 2019 etwa 0,04%. Der Wert des in Deutschland geförderten Erdöls lag für 2019 bei geschätzten 823 Mio. Euro, das sind 0,02% des BIP. Etwa 7% des Gesamtwertes der in Deutschland abgebauten Rohstoffe entfiel im Jahr 2019 auf Erdöl. Damit rangierte Erdöl bei der wirtschaftlichen Bedeutung hinter Braunkohle und Erdgas an dritter Stelle der in Deutschland geförderten fossilen Energierohstoffe und 6. Stelle aller heimisch abgebauten Rohstoffe. Im internationalen Vergleich der Erdöl produzierenden Länder belegte Deutschland im Jahr 2019 den 58. Platz (1970: 26. Platz). Zum Jahresende 2019 waren in der Erdölindustrie in Deutschland 1.570 Personen beschäftigt.2

Gewinnung

Im Jahr 2019 waren in Deutschland 51 Erdölfelder in Produktion. Auf ihnen wurde durch 986 Fördersonden in Bohranlagen (onshore) bzw. auf Förderplattformen (offshore) Erdöl gefördert. Die Erdölfelder Schleswig-Holsteins und Niedersachsens erbrachten 2019 zusammen fast 90% der deutschen Gesamtproduktion. Die restliche Produktion verteilte sich vor allem auf Rheinland-Pfalz sowie Bayern und zu sehr geringen Anteilen auf Hamburg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das größte deutsche Erdölfeld ist Mittelplate/Dieksand, das sich im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer befindet. Es wird seit 1987 über eine Bohr- und Förderinsel sowie durch Bohrungen vom Festland aus erschlossen. Auf dieses Erdölfeld entfiel 2019 mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Erdölfördermenge.

Verwendung

Erdöl ist ein fossiler Energieträger und dient v.a. als Treibstoff für Verkehrs- und Transportmittel und zur Beheizung von Gebäuden. Erdöl hat in den letzten Jahren um die 94% des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor ausgemacht. Bei der Bereitstellung von Raumwärme beträgt der Erdölanteil rund 24,6%. Zudem wird Erdöl insbesondere in der chemischen Industrie verwendet, beispielsweise für die Herstellung von Plastik, Schaumstoff, Elektronik, Kunst- und Farbstoffen, Waschmitteln, Medikamenten und Kosmetik.

Erdgas

Wissenswertes über Erdgas

Wissenswertes über Erdgas
Erdgas wird im Vergleich zu Kohle und Erdöl erst seit relativ kurzer Zeit als Energieträger genutzt.
Wissenswertes über Erdgas
Deutschland verfügt über ein aktives Offshore Gasfeld in der Deutschen Bucht. Auf einem 1 Hektar großen Betriebsplatz wird Erdgas für die Versorgung von rund 15.000 Haushalten gefördert.
Wissenswertes über Erdgas
Bereits seit 100 Jahren wird Erdgas aus deutschen Lagerstätten gewonnen.
Wissenswertes über Erdgas
6 % des Erdgasbedarfs in Deutschland wurde 2019 durch die heimische Produktion gedeckt. Etwa 94 % des geförderten Erdgases stammte aus Niedersachsen.
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Geschichte

Bei einer Bohrung nach Wasser wurde 1910 in Neuengamme, heute ein Stadtteil von Hamburg, Erdgas gefunden. Die Förderung im industriellen Maßstab begann 1913. Bis zum Ende der 1960er Jahre war die heimische Erdgasproduktion allerdings gering – Erdgas erreichte bis dahin nur einen Anteil von rund 1% am primären Energieverbrauch in Deutschland (West). Die Ölkrisen in den 1970er Jahren lenkten den Blick verstärkt auf den Verbrauch von Energie und die Notwendigkeit der Erschließung neuer Energiequellen.

Mit der Entdeckung großer Erdgasvorkommen an der deutsch-niederländischen Grenze und der zunehmenden Umstellung von Stadt- und Kokereigas auf Erdgas stieg die heimische Förderung. Damit einher ging auch ein stetiger Ausbau der Erdgasinfrastruktur (von 12 auf rund 20 Mrd. m³ (Vn) Rohgas zwischen 1970 und 2005). Im Jahr 2005 deckte die heimische Erdgasförderung etwa 25% des deutschen Erdgasverbrauchs. Seitdem ist die Förderung aber rückläufig. Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven an Erdgas sind zudem rückläufig. Diese beliefen sich zum 01. Januar 2020 auf rund 46,6 Mrd. m³(Vn). Die Abnahme der Erdgasreserven sowie der Erdgasproduktion beruht im Wesentlichen auf der zunehmenden Erschöpfung der Lagerstätten und damit einhergehend deren natürlichem Förderabfall. Auch nennenswerte Neufunde sind in den letzten Jahren ausgeblieben. Für die Abnahme der Reserven war zudem ein über mehrere Jahre andauerndes Gesetzgebungsverfahren mitursächlich, in dem u.a. über die künftigen Anforderungen an den Einsatz der Fracking-Technologie disku-tiert wurde und das 2016 in gesetzgeberischen Neuregelungen mündete.

Wirtschaftliche Bedeutung

Mit einem Anteil von rund 25% am Primärenergieverbrauch bleibt Erdgas nach Erdöl der zweitwichtigste Energieträger in Deutschland. Im Jahr 2019 lag die Erdgasförderung in Deutschland bei rund 6,7 Mrd. m³ (Vn) Rohgas und deckte damit nur noch etwa 6% des heimischen Erdgasverbrauchs. Dieser nahm 2019 um ca. 3,3% zu. Im Jahr 2019 wurden 1.702 TWh Erdgas im Wert von insgesamt 24,56 Mrd. Euro importiert. Das importierte Erdgas stammt aus Russland/GUS (1.149 TWh), Norwegen (300 TWh), den Niederlanden (242 TWh) sowie Belgien und Dänemark (zusammen 11,7 TWh). Gegenüber dem Vorjahr kam es zu geringfügigen Abnahme der Importe (–3,3%). Ein erheblicher Teil des importierten Erdgases wird allerdings in die europäischen Nachbarländer reexportiert (701 TWh). Hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung des heimisch geförderten Erdgases lag Deutschland im Vergleich aller Erdgasförderländer im Jahr 2019 auf Platz 47. Der Anteil an der weltweiten Erdgasfördermenge betrug 2019 knapp 0,2%. In Relation zu anderen in Deutschland geförderten Rohstoffen, wie Braunkohle, kommt Erdgas eine relativ große wirtschaftliche Bedeutung zu. Der Wert des geförderten Erdgases betrug im Jahr 2019 geschätzt 1,01 Mrd. Euro. Das entspricht rund 0,03% des BIP. Etwa 9% des Gesamtwertes der in Deutschland produzierten Rohstoffe entfiel im Jahr 2019 auf Erdgas. Zum Jahresende 2019 waren in der Erdgasgewinnung in Deutschland 1.338 Personen beschäftigt.3

Gewinnung

Etwa 94% des deutschen Erdgases wurde 2019 in Niedersachsen gefördert. Andere Bundesländer (Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und Bayern) trugen nur marginal zur Gesamtfördermenge bei. Gefördert wurde das Erdgas auf 72 Erdgasfeldern mittels 419 Fördersonden. Das Erdgasfeld A6/B4 im sogenannten Entenschnabel, einer Wirtschaftszone in der Deutschen Bucht (Nordsee), ist dabei das einzige deutsche Offshore Erdgasfeld. Wie auch Erdöl tritt Erdgas in unterirdischen Lagerstätten auf. Vergleichbar mit der Erkundung von Erdöl, findet die Exploration von Erdgas vor allem durch seismische Untersuchungen und Erkundungsbohrungen statt. Die Förderung erfolgt über ein mit Zement und Stahl stabilisiertes Bohrloch, in das ein Steigrohr eingebracht wird (Sonde).

Verwendung

Als fossiler Energieträger wird Erdgas hauptsächlich für die Beheizung von privaten Haushalten (Anteil 43%) sowie Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben (Anteil 48%) verwendet. Darüber hinaus spielt Erdgas eine wichtige Rolle als Wärmelieferant für thermische Prozesse in Gewerbe und Industrie (z.B. in Großbäckereien, Ziegeleien, Zementwerken, Gießereien und Metallhütten) (Anteil 46 %), zur elektrischen Stromerzeugung (Anteil von 12,4 % an der im Inland und ins Netz eingespeiste Strommenge) aber auch als Treibstoff für Schiffe und Kraftfahrzeuge verwendet (0,2% Anteil). Hinzu kommen mengenmäßig bedeutsame Anwendungen als Reaktionspartner in chemischen Prozessen, wie beispielsweise der Ammoniaksynthese im Haber-Bosch-Verfahren (Stickstoffdüngemittel), der Eisenerzreduktion im Hochofenprozess insbesondere aber auch bei der Herstellung von Wasserstoff durch Dampfreformierung.

1      Eine Auflistung dieser Länder kann hier eingesehen werden: https://www.bafa.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Energie/Rohoel/2019_12_rohloelinfo.htm-l#:~:text=19.02.2020Roh%C3%B6lINFO%20Dezember%202019,6%2C7%20Millionen%20Tonnen   (Abruf am 15.Dezember 2021).

2      [BfA 2019] Bundesagentur für Arbeit (2019) Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen (WZ2008) – URL: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201912/iiia6/beschaeftigung-sozbe-monatsheft-wz/monatsheft-wz-d-0-201912-pdf.pdf?__blob=publicationFile (Abruf am 24. November 2021). Detaillierte Quellenangabe siehe Endnote i.

3     [BfA 2019], detaillierte Quellenangabe siehe Endnote i.