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Deutscher Rohstoffsektor /

Erdöl und Erdgas

Erdöl

Wissenswertes über Erdöl

Deutschland deckt rund 2 % seines Erdölbedarfs aus heimischer Produktion.

Das im Wattenmeer gelegene Ölfeld Mittelplate/Dieksand beherbergt mit ca. 25 Mio. t rund ein Drittel der förderbaren deutschen Erdölvorkommen.

Erdöl und Erdgas entstehen aus Ablagerungen großer Mengen von Kleinstlebewesen vor allem Algen.

Durchschnittlich lagern Erdölfelder in rund 1.500 m Teufe. Durch den technischen Fortschritt ist es aber möglich, auch Erdölfelder in 5.000 m Teufe und darunter zu erschließen.

Seit Beginn der Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland wurden 22.000 Bohrungen durchgeführt.

Geschichte

Seit über 150 Jahren wird Erdöl in Deutschland industriell gefördert. Die erste erfolgreiche Bohrung 1858/59 in Wietze bei Celle gilt als eine der ersten der Welt. Der Höhepunkt der Erdölförderung in Deutschland wurde 1968 mit einer Jahresproduktion von rund 8 Mio. t erreicht. Die Jahresproduktion 2015 betrug rund 2,4 Mio. t. Die sicheren und wahrscheinlichen deutschen Erdölreserven werden zum 01.01.2016 auf rund 34 Mio. t geschätzt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die aktuelle Förderung von Erdöl in Deutschland beträgt rund 2 % des deutschen Jahresverbrauchs. Der Wert des geförderten Erdöls liegt für 2015 bei etwa 860 Mio. Euro und damit bei der wirtschaftlichen Bedeutung hinter Erdgas und Braunkohle an dritter Stelle der in Deutschland geförderten fossilen Energierohstoffe. Im internationalen Vergleich der Erdöl produzierenden Länder lag Deutschland 2015 auf dem 58. Platz (1970: 26. Platz). 2015 waren in der Gewinnung im deutschen Erdöl- und Erdgasbereich 3.950 Mitarbeiter/innen beschäftigt 1 .

Gewinnung

2015 gab es in Deutschland 50 Ölfelder. Auf ihnen wird durch rund 1.000 Fördersonden in Bohranlagen (onshore) bzw. auf Förderplattformen (offshore) Erdöl gefördert. Die Ölfelder Schleswig-Holsteins und Niedersachsens erbrachten 2015 zusammen fast 90 Prozent der deutschen Gesamtproduktion. Die restliche Produktion verteilt sich auf Rheinland-Pfalz und zu sehr geringen Anteilen auf Bayern, Hamburg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das größte deutsche Ölfeld ist Mittelplate/Dieksand im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Es wird seit 1987 über eine Bohr- und Förderinsel sowie Bohrungen vom Festland aus erschlossen. Auf dieses Ölfeld entfiel 2015 mehr als die Hälfte der deutschen Erdölgesamtfördermenge.

Erdöl ist ein fossiler Energieträger und dient v.a. als Treibstoff für Verkehrs- und Transportmittel und zur Beheizung von Gebäuden. Zudem wird Erdöl in der chemischen Industrie z. B. zur Herstellung von Kunststoffen verwendet.

Erdgas

Wissenswertes über Erdgas

Erdgas wird im Vergleich zu Kohle und Erdöl erst seit relativ kurzer Zeit als Energieträger genutzt.

Deutschland verfügt über ein aktives Offshore Gasfeld in der deutschen Bucht.

Auf einem 1 Hektar großen Betriebsplatz wird Erdgas für die Versorgung von rund 15.000 Haushalten gefördert.

Bereits seit 100 Jahren wird Erdgas aus deutschen Lagerstätten gewonnen.

8 % des Erdgasbedarfs in Deutschland wird durch die heimische Produktion gedeckt.

95 % des geförderten Erdgases stammt aus Niedersachsen.

Geschichte

Bei einer Bohrung nach Wasser wurde 1910 in Neuengamme, heute ein Stadtteil von Hamburg, Erdgas gefunden. Die Förderung im industriellen Maßstab begann 1913. Bis zum Ende der 1960er Jahre blieb die Erdgasproduktion in Deutschland allerdings gering – mit einem Anteil von nur rund 1 % am primären Energieverbrauch in Deutschland (West). Die Ölkrisen in den 70er Jahren lenkten den Blick verstärkt auf den Verbrauch von Energie und die Notwendigkeit der Erschließung von Energiequellen. Mit der Entdeckung großer Gasvorkommen an der deutsch-niederländischen Grenze und der zunehmenden Umstellung von Stadt- und Kokereigas auf Erdgas stieg die heimische Förderung. Damit einher ging ein stetiger Ausbau der Gasinfrastruktur (von 12 auf 20 Mrd. m³(Vn) Rohgas zwischen 1970 und 2005). 2005 deckte die heimische Erdgasförderung bis zu 25 % des heimischen Gasverbrauchs. Seitdem ist die Förderung rückläufig. 2016 lag sie bei rund 8 Mrd. m³(Vn) Rohgas, dies entspricht etwa 6 % des heimischen Gasverbrauchs. Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven an Erdgas sind zudem rückläufig. Diese beliefen sich zum 1. Januar 2016 auf 74 Mrd. m³(Vn). Damit beträgt die statische Reichweite der deutschen Erdgasreserven 8 Jahre. Die Abnahme der Erdgasreserven sowie der Produktion ist im Wesentlichen auf die zunehmende Erschöpfung der großen Lagerstätten und damit einhergehend deren natürlichen Förderabfall zurückzuführen. Für die Abnahme der Reserven war zudem ein über mehrere Jahre andauerndes Gesetzgebungsverfahren mitursächlich, in dem u. a. über die künftigen Anforderungen an den Einsatz der Fracking-Technologie diskutiert wurde und das 2016 in gesetzgeberischen Neuregelungen mündete. Nennenswerte Neufunde sind in den letzten Jahren ausgeblieben.

Wirtschaftliche Bedeutung

Im Vergleich aller Erdgasförderländer liegt Deutschland auf Platz 43. Der Anteil an der weltweiten Gasfördermenge betrug 2015 0,3 %. In Relation zu anderen in Deutschland geförderten Rohstoffen, wie Braunkohle, kommt Erdgas eine relativ große wirtschaftliche Bedeutung zu. Der Wert des geförderten Erdgases betrug 2015 2 Mrd. Euro. Ein Fünftel des Gesamtwertes der in Deutschland geförderten Rohstoffe entfällt auf den Rohstoff Erdgas. 2015 waren im Erdöl- und Erdgasbereich 3.950 Mitarbeiter/innen beschäftigt 2 .

Gewinnung

95 % des deutschen Erdgases wurden 2015 in Niedersachsen gefördert. Andere Bundesländer (Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und Bayern) tragen nur marginal zur Gesamtfördermenge bei. Gefördert wird das Erdgas auf 77 Gasfeldern mittels 476 Fördersonden. Das Gasfeld A6/B4 im sogenannten Entenschnabel, einer Wirtschaftszone in der deutschen Bucht (Nordsee), ist dabei das einzige Offshore Gasfeld. Wie Erdöl tritt Erdgas in unterirdischen Lagerstätten auf. Vergleichbar zum Erdöl findet die Exploration von Erdgas durch seismische Untersuchungen und Erkundungsbohrungen statt. Die Förderung erfolgt über ein mit Zement und Stahl stabilisiertes Bohrloch, in das ein Steigrohr eingebracht wird (Sonde).

Verwendung

Als fossiler Energieträger wird Erdgas hauptsächlich für die Beheizung von Wohn- und Gewerberäumen, als Wärmelieferant für thermische Prozesse in Gewerbe und Industrie (z. B. in Großbäckereien, Ziegeleien, Zementwerken, Gießereien und Metallhütten), zur elektrischen Stromerzeugung sowie als Treibstoff für Schiffe und Kraftfahrzeuge verwendet. Hinzu kommen mengenmäßig bedeutsame Anwendungen als Reaktionspartner in chemischen Prozessen, wie beispielsweise der Ammoniaksynthese im Haber-Bosch-Verfahren (Stickstoffdüngemittel), der Eisenerzreduktion im Hochofenprozess oder der Herstellung von Wasserstoff.

1 Diese Daten enthalten ausschließlich Beschäftigungszahlen für Betriebe, die unter Bergrecht fallen.

2 Diese Daten enthalten ausschließlich Beschäftigungszahlen für Betriebe, die unter Bergrecht fallen